Dienstag, 18. Oktober 2011

Studie: 5. Globales Diebstahlbarometer
Warenschwund im Einzelhandel steigt auf Spitzenniveau

Verluste durch Warenschwund steigen im deutschen Einzelhandel um 7,1 % und belaufen sich auf mehr als 5,4 Mrd. Euro. Langfinger haben es auch auf Lebensmittel wie Käse, Fleisch und Fisch abgesehen und belasten jeden Haushalt mit 161 Euro. Erhöhte Verluste sind Folge von weniger Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen, die um 22 % niedriger ausfallen. Dabei machen sich diese für Einzelhändler durchaus bezahlt.

Heppenheim, 18. Oktober 2011. Mehr als 5,4 Mrd. Euro „zahlte“ der deutsche Einzelhandel von Juli 2010 bis Juni 2011 für Warenschwund. Dabei stiegen die Verluste um 7,1 % auf 1,2 % des Umsatzes. Im Vorjahr betrug die Schwundrate noch 1,12 %, so das 5. Globale Diebstahlbarometer, eine jährliche Studie des Centre for Retail Research (Nottingham) mit Unterstützung von Warensicherungsspezialist Checkpoint Systems (Heppenheim). Im deutschen Einzelhandel verbucht Warenschwund damit nicht nur einen Rekordanstieg, sondern bewegt sich laut Statistik auch auf dem höchsten Niveau seit zehn Jahren.

Diese Entwicklung spiegelt auch den länderübergreifenden Trend wider: Weltweit kostete Warenschwund den Einzelhandel 88,878 Mrd. Euro (+ 6,6 %), In Europa nahm die Schwundrate sogar um 7,8 % auf 1,39 % des Einzelhandelsumsatzes zu.

Langfinger kosten jeden deutschen Haushalt 161 Euro

Am häufigsten schlug laut Diebstahlbarometer der Ladendiebstahl zu Buche. Vom Gelegenheitsdieb bis zur organisierten Kriminalität – sie sind für 52,6 % der Verluste (2,867 Mrd. Euro) verantwortlich. Doch Warenschwund kennt noch weitere Ursachen: Während Hersteller und Lieferanten für 5,9 % der Verluste (0,321 Mrd. Euro) verantwortlich sind und auf interne Fehler weitere 15,7 % (0,856 Mrd. Euro) entfallen, geht rund ein Viertel der Verluste (25,8 %; 1,406 Mrd. Euro) auf das Konto unehrlicher Mitarbeiter.

Und bei diesen ist der angerichtete Schaden meist besonders hoch: Das sichergestellte Diebesgut stehlender Mitarbeiter ist in Europa durchschnittlich 14-Mal wertvoller ist als das von Ladendieben (Mitarbeiter: 1.381 Euro; Ladendiebe: 94 Euro).

„Obwohl es Beobachter gibt, die Kriminalität im Einzelhandel als harmlos, faszinierendes soziales Phänomen oder schlichtweg als Betriebskosten ansehen, ignoriert dies die Auswirkungen von kriminellen Banden, die zunehmende Gewalt gegen Mitarbeiter und Kunden und die Verbindungen zwischen Einzelhandelskriminalität und Drogen sowie Betrug und Erpressung“, so Prof. Joshua Bamfield, Direktor des Centre for Retail Research (Nottingham) und Autor der Studie. „Kriminalität im Einzelhandel hat jeder Familie in den 43 untersuchten Ländern vielmehr zusätzlich 149 Euro auf ihre Einkaufsrechnung gebracht.“ In Deutschland waren es im Berichtszeitraum rein rechnerisch sogar 161 Euro – vor einem Jahr betrug die Belastung noch 149 Euro.

Auch Käse, Fleisch und Fisch werden gestohlen

Was und wie viel verschwindet, hängt auch vom Produkt ab. So verzeichnen manche Warengruppen höhere Einbußen als andere. Außerdem gehören nicht nur Handys, CDs oder Kameras zu den Klaurennern. Bei Pflege- und Kosmetikartikeln liegen Rasierartikel (Schwundrate: 3,8 % vom Umsatz) und Parfum (2,95 %) in Europa ganz vorne. Auch Mode- und Bekleidungsartikel wie Accessoires (3,72 %) und Oberbekleidung (2,82 %) sind bei Dieben besonders begehrt. Mindestens genauso häufig sind es aber Lebensmittel, die aus den Regalen verschwinden. Zu den besonders gefährdeten Lebensmitteln in Europa zählt dabei Käse (3,9 %), Fleischfeinkost (2,94 %) und Meeresfrüchte/Fisch (2,7 %). Doch rund ein Viertel der Top 50-Klaurenner erfahren laut Diebstahlbarometer bislang keinen besonderen Schutz.

Einsparungen bei Sicherheitsmaßnahmen in Höhe von 22 % führen zu mehr Warenschwund

„Der deutliche Anstieg von Warenschwund ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Einzelhändler im Bereich der Sicherheitsmaßnahmen sparen“, erklärt Dirk Endlich, Deutschland-Chef von Checkpoint Systems. Den Studienergebnissen zufolge haben deutsche Einzelhändler im Berichtszeitraum 0,23 % ihres Umsatzes für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben – rund 22 % weniger als im Vorjahr (2010: 0,28 % des Umsatzes). „Die Praxis zeigt dabei, dass geringere Investitionen in die Prävention von Warenschwund und Anti-Diebstahl-Maßnahmen sich meist unmittelbar auf die Inventurdifferenzen auswirken und damit die Unternehmen teuer zu stehen kommen. Die Folge sind nicht nur geringere Gewinnspannen, sondern auch eine niedrigere Warenverfügbarkeit in den Geschäften. Denn was geklaut wurde, kann nicht mehr verkauft werden“, so Endlich weiter.

Anders als in Deutschland hat der weltweite Einzelhandel seine Gesamtausgaben für Verlustprävention und Sicherheit gegenüber 2010 zwar um 5,6 % auf 21,120 Mrd. Euro erhöht, die tatsächlichen Ausgaben für Sicherheitsausrüstung sind aber auch hier rückläufig.

Doch nicht alle Einzelhändler haben in puncto Sicherheitsmaßnahmen gespart. „Analysiert man die 50 größten Einzelhändler, die an der Studie teilgenommen haben, so betrachten diejenigen, die einen Rückgang des Warenschwunds zum Vorjahr verzeichneten, Warenschwund nicht allein als Diebstahlproblem. Diese Händler haben vielmehr an ihren betrieblichen Abläufen gearbeitet, um Laden- und Mitarbeiterdiebstahl sowie Verluste durch Lieferanten und interne Fehler systematisch zu bekämpfen. 96 % dieser Einzelhandelsgeschäfte setzen Auditprogramme ein, um die Einhaltung der Präventionsmaßnahmen zu prüfen. Außerdem erhöhten diese Einzelhändler im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt ihre Ausgaben zur Verlustprävention fast um das Doppelte“, erläutert Prof. Bamfield.

Studieninformation

Das Diebstahlbarometer ist eine jährliche Studie des Centre for Retail Research in Nottingham (Großbritannien) und wird von Checkpoint Systems unterstützt. 2001 wurde die Studie erstmals in Europa durchgeführt, seit 2007 weltweit. Der diesjährige Bericht weist Ergebnisse über Warenschwund und Kriminalität im Einzelhandel in 43 Ländern von fünf Kontinenten aus. Erstmals wurde auch Südkorea erfasst. Das Globale Diebstahlbarometer ist damit die weltweit größte und umfassendste Studie über Diebstahl und Kriminalität im Einzelhandel. Die Studie basiert auf Daten einer anonymen Befragung von 1.187 Einzelhändlern, die zusammen einen Umsatz von 736,29 Mrd. Euro erwirtschafteten und mehr als 250.000 Standorte haben. Alle Angaben des Berichts beziehen sich auf den Zeitraum Juli 2010 bis einschließlich Juni 2011. An der Studie beteiligten sich in Nordamerika 197 Unternehmen, in Europa 586 Unternehmen, im asiatisch-pazifischen Raum 267 Unternehmen, in Lateinamerika 96 Unternehmen und in Afrika 41 Unternehmen. Die Rücklaufquote beträgt 25 Prozent. Verwendeter Wechselkurs: $ 1= € 0,7463

Über das Centre for Retail Research

Die 5. Ausgabe des Globalen Diebstahlbarometers (11. Ausgabe für Europa) wurde konzipiert von Prof. Joshua Bamfield, Direktor des Centre for Retail Research (CRR), mit Unterstützung von Checkpoint Systems, Inc.. Das CRR ist eine unabhängige Organisation und bietet dem Einzelhandelssektor, der sich zurzeit einem wandelnden Geschäftsumfeld gegenüber sieht und sich um Bekämpfung von Diebstahl und Unterschlagung bemüht, Forschung und Beratung. Das Centre for Retail Research hat umfangreiche Studien zu kriminalitätsbedingten Kosten und zum Einsatz von elektronischen und computergestützten Systemen zur Kriminalitätsbekämpfung durchgeführt. www.retailresearch.org

Über Checkpoint Systems, Inc.

Checkpoint Systems, Inc., gegründet 1969, ist ein führender Anbieter von Lösungen zum Warenschwund-Management, zur Bestandsübersicht und Bekleidungsauszeichnung. Checkpoint ermöglicht dabei Einzelhändlern und ihren Lieferanten, Warenschwund zu reduzieren, die Warenverfügbarkeit zu verbessern und Echtzeit-Daten zur Optimierung der Betriebsprozesse zu erlangen. Checkpoints Lösungen basieren auf 40 Jahre Expertise in Radiofrequenz-Technologie. Kernkompetenzen liegen in der Quellensicherung von Konsumgütern, der elektronischen Artikelsicherung (EAS), RFID-Anwendungen, Auszeichnung von Bekleidungsartikeln sowie Lösungen zur Verkaufsförderung. Das an der New Yorker Börse notierte Unternehmen (NYSE: CKP) operiert in nahezu allen Erdteilen und beschäftigt weltweit 5.700 Mitarbeiter. Mit Niederlassungen in über 30 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien verfügt Checkpoint Systems über ein globales Fertigungs-, Vertriebs- und Servicenetzwerk. Hauptsitz der deutschen Checkpoint Systems GmbH ist in Heppenheim. www.checkpointsystems.com